Volkshochschulen und die IT

Da der Titel leicht sarkastisch klingt, möchte ich gleich zu Beginn klar stellen, dass ich den Volkshochschulen nicht negativ gegenüber eingestellt bin. Dennoch habe ich heute in meiner lokalen Zeitung einen Eintrag gesehen, der mich doch ein wenig an der Aktualität und dem Ruf der “VHS” zweifeln lässt – zumindest, was das Thema des Kurses angeht.

Aktualität? Zeitnah? Brauchen wir nicht!

Ich denke, es wäre das einfachste, einfach mal diesen entsprechenden Eintrag der Volkshochschule zu zeigen. Vielleicht versteht dann der ein oder andere sofort, was ich meine.

VHS: Kurs für das "neue Betriebssystem" Windows 7 ...

Na? Wer hat nun verstanden, was ich hier konkret kritisiere? Nun, auf solche Kurse der VHS gehen Leute, die zum entsprechenden Kurs-Thema etwas Lernen möchten und die Materie besser verstehen wollen. Das geht allerdings nur, wenn es, gerade bei einem solch zeitkritischen Thema wie der Informationstechnologie, auch aktuelle Informationen mit aktuellem Material zu vermitteln gibt. Vor drei, vier Jahren wäre der VHS-Kurs “MS-Windows 7 – Grundlegende Einführung in das neue Betriebssystem” begründet inseriert worden, schließlich erschien im Jahr 2009 Windows 7 frisch auf dem Markt. Heute sieht die “Realität” bezogen auf die “Aktualität” und das “Material” (Windows-Version) doch etwas anders aus.

VHS -> Mission failed!

Am 26. Oktober 2012, also vor knapp einem Jahr, wurde bereits der Nachfolger von Windows 7 veröffentlicht. Viele Hersteller liefern neue PCs oder Laptops mit Windows 8, inzwischen Windows 8.1, aus. Dennoch sieht es die VHS anscheinend nicht für nötig, den Kurs entsprechend anzupassen oder parallel einen zweiten Kurs mit Windows 8-Thematik anzubieten. Man möge doch bedenken, dass von VHS-Kursen Leute mit nahezu Null Vorkenntnissen Gebrauch machen. Beispiel wären da unter anderem der Desktop. Klar, den gibt es noch, aber Microsoft baut auf dem Modern-UI auf und will alles in Apps verpacken. Der Desktop tritt damit ein wenig in den Hintergrund. Das Startmenü wäre auch so ein Kandidat. Das gibt’s schließlich gar nicht mehr in der Form ohne Drittprogramme. Dann wäre da auch noch Word 2010. Warum denn eigentlich bitte explizit “Word 2010”? Sollte da nicht “Office 20xx” stehen? Braucht man Excel oder meinetwegen auch Powerpoint oder Outlook (wenn es schon Microsoft-Software sein muss) nicht auch immer wieder mal? Und noch was: Die 2010er Version ist auch schon outdated.

“Voraussetzung: PC-Grundkenntnisse”

Als ich das las dachte ich mir nur eines: “WTF?!” Wenn man sich so die Beschreibung des Kurses durchließt und am Ende die Voraussetzung ließt, frage ich mich ernsthaft, was die VHS mit “PC-Grundkenntnisse” verbindet, wenn “Grundkenntnisse” anscheinend in diesem Kurs vermittelt werden. “Den Umgang mit MS-Windows 7 von Grund auf Lernen und Kennenlernen der Programmteile.” – Was sind denn dann bitte “PC-Grundkenntnisse” nach VHS-Definition? Okay, mag sein, dass das Anschalten eines PCs oder das Auswählen eines Benutzernamens am Logon-Screen zu diesen “PC-Grundkenntnissen” gehört, aber jetzt mal im Ernst: Dieser Eintrag ist Mist! 185,00 Euro ist dafür, dass das nicht einmal auf der aktuellen Thematik aufbaut eine ziemliche Verarsche. Vielleicht denke ich da anders, aber die VHS muss hier gründlich nachbessern!

In diesem Sinne, frohes Lernen! 😉

4 thoughts on “Volkshochschulen und die IT”

  1. Du bist nicht allein.
    Ich hab zuletzt Anfang des Jahres in einen VHS-Katalog geschaut und hab auch die Krise bekommen. Auch unser Bremer Aus- und Fortbildungszentrum macht Kurse, wo ich manchmal die Krise kriege.

    Windows 7 und Office 2010 sind standard. Wenn ich auch persönlich 8 und 2013 nicht so toll finde und das in dem Blickwinkel als besser so betrachte.
    Dann aber “das aktuelle Betriebssystem […]” – äh ja.

    Liegt aber auch wohl daran, zumindest bei uns sind die Kurse meist von Selbstständigen, die sich als “Experten” bezeichnen und VHS und co vermitteln nur Räume und Veranstaltungskalender.
    Selbst die Beschreibung kommt da gern komplett aus fremder Feder.
    “Sicher surfen im Internet; warum IE8 der sicherste und schnellste Browser ist”
    “Stabil, schnell und sicher; Kurs für Apple Macs und iOS-Geräte”, dazu noch irgendwas mit bloß Weg von Windows – und am Auto des Referenden klebt ein Apple-Sticker. No comment.
    Oder Photoshop für Heimanwender. Der Kurs ist entsprechend teuer, aber wer sich privat für die Urlaubsfotos Photoshop kauft… kann sich das auch leisten.

    Ich hab mich mit Kollegen mal nach Kursen umgesehen. Mein Ausbilder befürwortet das, auch wenn ich Kurse mache, die nicht vollständig in mein Arbeitsfeld passen, bspw. Photoshop.
    Die guten Kurse sind rar, zu schnell voll oder man weiß wegen Berufsschule nicht, ob man da kann.
    Den Rest kann ich mir besser von Kollegen beibringen lassen – oder selbst ausprobieren.

    Meine Mutter hat mal von der Arbeit aus einen Office-Kurs verschrieben bekommen (ganze Abteilung, Sonderkurs).
    4 Tage. In der Mitte hat krankheitsbedingt der “Trainer” gewechselt. Die ersten zwei Tage hat niemand was verstanden, die anderen zwei Tage hat der Neue das 4 Tagesprogramm wiederholt und die meisten sind gut mitgekommen. Dafür hat die Arbeitstelle pro Teilnehmer wohl einiges springen lassen. Qualität? Microsoft Certified Trainer… … …

    Ich sollte mir die langen Kommentare abgewöhnen, das geht mir jetzt schon selbst auf die Nerven -.-*
    Moral der Geschicht: Such dir Freunde als Trainer. Günstiger, effektiver und gezielter. Faldrian für Fotos, mich für lange Kommentare, dich selbst für Podcast-Technik… 😀

    1. Bitte nicht falsch verstehen: Ich ziehe Windows 7 und Office 2010 allem andere von Microsoft vor. Allein schon, weil ich dieses platte und unstrukturierte Design von bspw. Office 2013 nicht abhaben kann. Naja.

      Was mir nur richtig aufgefallen war ist diese wahnsinns Kurs-Beschreibung. Den Herren, der für diesen Kurs anscheinend verantwortlich ist, kenne ich nicht; habe ich auch noch nirgends wo gelesen.

      Aber warum kontrolliert die VHS so etwas nicht? Ich meine, trotz “Vermittelung” steht da dennoch die Bezeichnung “VHS”. Das assoziiert einen Zusammenhang, der ja auch indirekt tatsächlich mit dem Kurs besteht. Darunter leidet, wenn es mal wirklich daneben geht (und das ist ja schon fast ein glatter Reinfall), die VHS mehr als nur ein wenig … . Unter Bekannten, Freunden, Arbeitskollegen, … lernt man meistens immer am Besten; keine Frage.

      Lange Kommentare abgewöhnen? Bloß nicht, ich brauch’ doch was zum Antworten 😉 Danke dafür übrigens!

      Grüße,
      Max

      1. Ich hatte es nicht so interpretiert mit 7 und 2010. 😉 Mich stört halt auch, dass es da immer um das “aktuellste” geht.

        Und das die VHS sowas aufnimmt… kommt wohl auch auf die Ortsverbände an. Bei unseren scheint ein Microsoft Zertifikat Wunder zu wirken. Und das Masseninteresse, Randgruppen sind uninteressant (bringen zu wenig Geld? Ich weiß es nicht)

        Wie steht es bei euch eigentlich um Angebote rund um Open/LibeOffice, GIMP oder allgemein Alternativen? Kann man bei uns vergessen…

        1. Bei uns gibt es nur noch einen gesonderten PowerPoint (2010)-Kurs. Ansonsten gibts da keine Kurste im IT-Bereich von der VHS. Eigentlich auch ziemlich arm, wenn man so drüber nachdenkt …

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